Dick im Geschäft: Beth Ditto

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06.06.2009

Sie gilt als eines der angesagtesten It-Girls und gewinnt in der internationalen Modewelt immer mehr Anhänger - und das obwohl Beth Ditto, Sängerin der Band The Gossip, dem gängigen Schönheitsideal in keinster Weise entspricht. Warum der Hype um die schwergewichtige Rocklesbe?

Eine dicke Frau ziert das Cover eines angesagten Modemagazins und wird als Ikone unserer Generation gefeiert - das allein ist schon ungewöhnlich. Dass sie dazu auch noch splitternackt posiert, also gar nicht primär der Mode wegen abgelichtet wird, macht die Provokation perfekt. Das Covermodell heißt Beth Ditto, ist Sängerin der amerikanischen Band The Gossip und nach Meinung von Trendforschern Sinnbild einer neuen Bewegung.

Karl Lagerfelds neue Muse

Beth Ditto hat es schon einmal getan: Bereits vor zwei Jahren ließ sie sich für den britischen "New Musical Express" -laut stern.de das Leitmedium der Indie-Musik in Großbritannien - nackt ablichten. Schon im Jahr zuvor war sie vom selben Magazin zur coolsten Frau des Jahres gewählt worden. Spätestens seit die 28-Jährige auch für die aktuelle Ausgabe des Hochglanzheftes "Love" die Hüllen fallen ließ, wird das Phänomen Beth Ditto auch hierzulande diskutiert - nicht zuletzt deshalb, weil sich kürzlich sogar Modezar Karl Lagerfeld als Fan der bekennenden Lesbe outete.

Seither überschlagen sich deutsche Journalisten mit Bezeichnungen und Kategorisierungsversuchen: Beth Ditto sei "ein neues Sexsymbol", "der wandelnde Beweis, dass man auch ohne Bulimie berühmt werden kann" und "ein Fragezeichen hinter der Weltherrschaft der Heidi Klum" (Welt). Sie sei außerdem "der wohl ungewöhnlichste Neuzugang in der von internationalen Hochglanzmagazinen hingebungsvoll geführten Rubrik 'Stilikone'" (Süddeutsche). Tatsächlich ist Beth Ditto modebewusst, sie trägt mit Vorliebe Buntes und Schrilles und umgibt sich gern mit den Stars der Modwelt. Laut einem Videobericht von Spiegel Online ist Kate Moss ihre Busenfreundin.

Positive Botschaft

Zugleich aber sei die Sängerin mit der kräftigen Soulstimme ein "fleischgewordenes Feuchtgebiet" (Süddeutsche): Bei ihren Konzerten schmeiße sie ihre ohnehin meist knappe Bekleidung von sich, erzähle freizügig von ihrer "riesigen Vagina" und davon, dass sie ihre Tage habe. Laut Welt.de lehnt Ditto es ab, sich Axeln und Beine zu rasieren, auch von Deo halte sie nichts: Außer auf Chanel Nr. 5 sei sie auf Parfüm allergisch.

Sich selbst bezeichnet sie als Punk - für sie bedeutet das, Freiheit zu haben, zu tun was sie will. Beth Ditto geniert sich nicht. Genau das macht sie so glaubhaft. Sie wirke nicht wie eine, deren Selbstwertgefühl von gesellschaftlichen Statusbeweisen abhängt, meint die Süddeutsche - und sicherlich traut man der 28-Jährigen genau deshalb zu, die gesellschaftliche Sicht auf dicke Frauen zu verbessern. Mit ihren 95 kg auf 1,55 m transportiert sie selbstbewusst, dass Dicksein sexy sein kann.

Und ihre Botschaft ist ihr wichtig: Spiegel Online sagte die Sängerin: "Ich will Mädchen positiv beeinflussen, die sich nicht wohl in ihrer Haut fühlen. Ihr ganzes Leben lang hat man ihnen erzählt, dass sie hässlich sind. Ich will, dass sie sich bedeutsam und begehrenswert fühlen und all das bekommen, was ihnen ständig abgesprochen wird."

Schwergewicht - auch musikalisch

Beim deutschen Publikum stoßen die Lobpreisungen auf Beth Ditto nicht nur auf Zustimmung. "Sie bleibt fett", meint ein Welt-Online-Leser. "Man kann in Zeiten der political correctness vieles schönschreiben, aber hier scheitern einfach die Worte an den Bildern", so der Kommentar weiter. Ein anderer Leser kritisiert den Hype um die Sängerin aus einem generellen Grund: "Schau ich mir Berichte an, ob in Internet, Zeitung, Fernsehen, in denen über 'attraktive' Frauen berichtet wird, scheint es nur zwei Extreme zu geben: Entweder so dürr, dass man hindurchsehen kann oder so fett, dass es einen graust."

Doch darf man Beth Ditto nicht auf die Schönheitsdebatte reduzieren. Auch musikalisch ist sie ein Schwergewicht und derzeit mit ihrer Band The Gossip sehr erfolgreich. Was sie zu sagen hat, transportiert sie nicht nur in Interviews und über ihre Kleidung, sondern auch in ihren Texten: So verbirgt sich hinter dem Song "Standing in the way of control", den "The Gossip" auch schon bei David Letterman performten, Protest gegen die Entscheidung der Bush-Regierung, Homosexuellen die Heirat zu verbieten.

(sh)
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