Erleichterung der Sterbehilfe

City- & Szenenews

City- & Szenenews
Foto anzeigen
© michaeljung
26.06.2010

Ein Kampf um Leben und Tod - im wahrsten Sinne des Wortes. Nach einem nervenzehrenden Prozess zwischen einem Münchener Anwalt und dem Langericht Fulda entschied der Bundesgerichtshof, die Sterbehilfe grundsätzlich zu erleichtern.

In ihrer Hilflosigkeit hatte sich eine Mandantin an ihren Anwalt Wolfgang Putz gewandt: Die Mutter der Frau befand sich seit fünf Jahren im Wachkoma. Um ihr einen friedlichen Tod zu ermöglichen, riet der Anwalt seiner Mandantin, den Schlauch, der die Mutter künstlich ernährte, durchzutrennen - hatte die alte Dame schließlich vor ihrer Bewusstlosigkeit betont, nicht künstlich am Leben erhalten werden zu wollen.

Doch die Heimleitung kam der Tochter in die Quere, tauschte den zerschnittenen Schlauch aus und setzte die lebenserhaltenden Maßnahmen, gegen den Willen aller Beteiligten, fort. Nur kurze Zeit später starb die Mutter der Mandantin im Krankenhaus - allein, ohne ihre Tochter.

Grund genug für die Strafverfolgungsbehörden, Anwalt Putz und seine Mandantin anzuklagen. Wie der Focus berichtet, wurde die Tochter freigesprochen. Den Anwalt hingegen verurteilte man wegen versuchten Totschlags (!) zu neun Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung - woraufhin dieser in die Revision ging.

Mit Erfolg. Am Freitag wurde Wolfgang Putz in Karlsruhe vom Bundesgerichtshof freigesprochen - in einem Prozess, der sich von dem Vorwurf des versuchten Totschlags zu einer Diskussion der Grundsatzfragen der Sterbehilfe gewandelt hatte. Das Ergebnis: Der Abbruch von lebenserhaltenden Maßnahmen ist, solange es sich dabei um den Patientenwillen handelt, nicht strafbar. Eine Erleichterung für die passive Sterbehilfe - und in Zukunft wömöglich eine Erleichterung für alle betroffenen Patienten und ihre Angehörigen.

(nm)
14
Kommentare insgesamt

Aspergo Anima
26.06.2010 13:34
reg. Mitglied
naja solange es sich ausschließlich nur um komapatienten handelt die mit eigenen willen das heisst ohne jegliche beeinflussung von ausserhalb ihren wunsch vorher geäussert haben in einem solchen fall dahin zu scheiden dann ist dies schon in ordnung...

es ist nur sehr wichtig das die entscheidung der patienten auf eigenen wunsch also nach einem gründlichen überlegungswerdegang getroffen werden und nicht voreilig vollzogen werden
das heisst es muss schon zu 100% übereinstimmen

26.06.2010 13:46
Gast
genau stichwort menschlichkeit.......paragr. 1: die würde des menschen ist unantastbar

26.06.2010 17:31
Gast
einfach nur peinlich, sich auf etwas zu berufen, dessen nicht legimiert ist.
sicher wünschenswert, ein grundgesetz (unverschlimmhunzt) als verfassung zu sehen, doch ohne einen volkswillen bleibt es die tyrannei der größten religion namens geld.

solange man noch wertschöpfung betreiben kann, wird sich doch hierzulande über jedes stück würde hinweggesetzt, wo es nur irgend geht. etwa patienten, die bis zur monatsmitte künstlich am leben gehalten werden, damit man bei den kassen noch den ganzen monat abrechnen kann.

es ist beschämend, welche geistigen tiefen dieses land erfährt...

26.06.2010 17:50
Gast
@ taurus rex: mach mal ne aussage ob du es direkt gutheisst was mit diesem gesetz geschaffen wurde-im sinne des patienten und im sinne seines vorher niedergeschriebenen willens...

denn das ist es worum es hier geht-ob meinem willen folge geleistet wird oder jeder mit mir machen kann was er denkt

ein blick auf die intensivstation und du weisst bescheid,da debattiert niemand über politik

26.06.2010 21:51
Gast
Ich frage mich schon seit lagem, warum menschen künstlich am leben gehalten werden.
in sehe es genauso wie @taurus rex, nur noch an geld denken, der mensch ist nebensache. das fängt doch schon bei den kleinsten behandlungen an, man wird nur noch hingehalten.

ich finde es gut, dass man sein letzten wille in dieser form darlegen kann und nicht dahinvegetieren muss nur um anderen die taschen zu füllen.
die götter in weiß sind doch bald nur noch geldgierige geier.
es lebe die menschenwürde.

MoO_ C.
26.06.2010 22:10
reg. Mitglied
also ich arbeite in der region und ich fnde s auch gut das es jetzt eine sterbehilfe gibt... und ich bin auch der meinung das keine menschen künstlich am leben gehalten werden sollten... es ist nur eine quälerei für den betroffenen..

Rolf H.
26.06.2010 23:57
reg. Mitglied
Das sehe ich auch so Sarah ich Arbeite in der Altenpflege selber und sehe das oft Mals.

Terror Bolzen
27.06.2010 10:08
reg. Mitglied
ich finde das gut weil ich hab jahre lang gesehen wie ein mensch gelitten hat am bett gefesselt zu sein.....
wenn der mensch meint es ist zeit für ihn zu gehen dann sollte man ihn nicht daran hindern klar ist es schwer einen geliebten menschen für immer gehen zu lassen aber jeder geht der andere früher der andere später

Kirben
27.06.2010 12:16
reg. Mitglied
arbeite auch im gesundheitswesen und finde der wille der patienten wird selten durchgesetzt, wenn die angehörigen dies nicht möchten. ich rate deshalb jedem ein patiententestament zu machen, wo drinsteht was gemacht werden soll und was nicht. denn gegen dieses testament kann keiner was machen, da dieses ja von einem juristen unterschrieben werden muss.

27.06.2010 17:09
Gast
@unheilige...

dann will ich dir den gefallen tun und nochmal meinen senf dazu abgeben. ich kann und will es nicht gutheißen, welch endlos-diskussion sowohl in gesetzgeber-, entwurfs- (lobby) und sogenannten fachkreisen (weiße wolke) geführt wird. es ist inzwischen ja tischsitte, daß im namen des volkes gegen das volk befunden wird.

zur intensivstation...
da hatte ich ausgiebig gelegenheit, am praktischen anwendungsbeispiel dafür sorge zu tragen, daß in einem speziellen falle die einhaltung der patientenverfügung strikt eingehalten wurde. dabei durfte es keine rolle spielen, wie ich persönlich emotional dazu stand, was die einzelfall-willenserklärung auszeichnete. es war steinig, hart und brutal, mit wie wenig kragenweite dort gearbeitet wurde und wird.

wo patienten aus kostengründen wie vieh behandelt und abgespeist werden, kann ich nicht von einem krankenhaus sprechen. wohl aber von einem haus voller kranker in einem haus einer kranken gesellschaft.

alles eine frage des preises.

doof ist, wenn man mehr weiß als die ärzte und es einem nicht angesehen wird... ich hatte nicht nur leid zu teilen, anteil zu nehmen, sondern auch verdammt viel spaß

ein gesetz, braucht es ein solches, sind die familienwerte nicht intakt.

ein gesetz wird an fehlender selbstachtung der zelebratoren, den menschen (zu denen ich mich nicht zähle) nichts ändern.

so sei an dieser stelle noch fix nach wismar gewunken,
dort werden wachkoma-patienten professionell mit herz und verstand betreut. die möbelwerke gibts zwar nicht mehr, wohl aber die stiftung samt villa...
14
Kommentare insgesamt
weitere Nachrichten aus der Kategorie „City- & Szenenews“:
Diskriminierung oder lediglich polizeiliche Erfahrung? Weil ihn ein Bundespolizist aufgrund seiner Hautfarbe kontrollierte, erstattete ein dunkelhäutiger Deutscher Anzeige - und verlor. » mehr lesen
In Großbritannien steigt der Absatz erotischer E-Books. Auch in Deutschland könnte das unerkannte Konsumieren erotisch-brisanter Geschichten Schule machen. » mehr lesen
Am 4. August fällt der Startschuss für die nächtliche Laufveranstaltung in Rostock. Der persönliche Startschuss aber kann bereits jetzt abgefeuert werden - was nicht nur sportliche Vorteile birgt. » mehr lesen