Selbstmord vertraglich verboten
City- & Szenenews
27.05.2010
12-Stunden-Schichten und ja kein Wort zum Kollegen: Die Arbeitsbedingungen bei Foxconn, dem Hersteller des iPhones, sind untragbar - und wahrscheinlich der Grund für die Selbstmordserie in der Fabrik. Das Unternehmen selbst setzt jedoch auf andere Mittel, um dem Gräuel ein Ende zu bereiten.
Seit Jahresbeginn haben sich bereits zehn Mitarbeiter das Leben genommen.
Um dem ein Ende zu setzen, greift das Unternehmen Foxconn, das mitunter für Apple, Hewlett Packard oder Dell produziert, zu drastischen Maßnahmen.
Wie d-news berichtet, mussten sich die Angestellten jetzt schriftlich verpflichten, keinen Selbstmord zu begehen. Doch damit nicht genug: Das Werk in der Sonderwirtschaftszone Shenzhen, wo allein 300.000 Menschen arbeiten, wurde nun mit Netzen behängt, um die Mitarbeiter daran zu hindern, sich aus den Fenstern zu stürzen - wie es zuletzt ein 19 Jahre junger Angestellter getan hatte.
Kürzlich erschien in der Zeitung "Southern Metropolis Daily" das Foto eines entsprechenden Briefes, den die Angestellten von ihrem Arbeitgeber erhalten hatten. Mit einer Unterschrift müssen die Mitarbeiter folgendes Versprechen leisten: "Ich verspreche, mich oder andere niemals in einer extremen Form zu verletzen." Darüber hinaus müssen sie Foxconn gestatten, sich im Falle einer "anormalen geistigen oder körperlichen Verfassung zum eigenen Schutz und dem anderer" in eine psychiatrische Klinik schicken zu lassen.
"Es ist uns nicht erlaubt, miteinander zu sprechen!"
In der South China Morning Post - einer in Shenzhen erscheinenden Zeitung, die der staatlichen Zensur in China nicht allzu sehr unterworfen ist - fand eine Mitarbeiterin den Mut, über die Arbeitsbedingungen bei Foxconn zu sprechen.
In der Fabrik würde man die 21 Jahre junge Frau dazu drängen, von 8 Uhr am Morgen bis 20 Uhr am Abend zu arbeiten - und nicht nur das: "Über 12 Stunden ist es uns nicht erlaubt, miteinander zu sprechen, sonst wirst du vom Vorarbeiter getadelt. Sie gewähren uns nur 30 Minuten für das Mittagessen und wir dürfen nicht länger als zehn Minuten zur Toilette gehen." Wer sich mit diesen Regeln nicht arrangieren kann, bekommt Probleme. "Du musst damit rechnen, täglich immer wieder namentlich herausgegriffen und beschämt zu werden, ohne jeden Respekt, falls du nicht all ihre Bestimmungen strikt einhalten kannst."
Eine weitere Mitarbeiterin muss dem Hersteller trotz alledem etwas zugute kommen lassen: Die Auszahlung von läppischen 240 EUR im Monat erfolge stets pünktlich, und auch Mahlzeiten sowie Übernachtungsmöglichkeiten seien gegeben. Doch laut golem.de gesteht sie sich ein: "Mein Leben ist dennoch leer und ich arbeite wie eine Maschine."
Hierzulande undenkbar - dort ein Hauptgewinn
Europa schüttelt den Kopf. Wenn doch die Arbeitsbedingungen derart unzumutbar sind - wie kann sich die Fabrik noch halten?
Wie d-news berichtet, kennen Anwärter auf einen Arbeitsplatz bei Foxconn die Antwort auf diese Frage: Die Zustände in anderen Fabriken seien weitaus härter, weshalb sich tausende Menschen um einen Job bei Foxconn bemühen würden.
Auch die Suizidrate des Unternehmens, die hierzulande lediglich Ungläubigkeit hervorruft, ist in China keinesfalls ein Grund zur Sorge. Fan Fumin, ein Psychologe an der Tsinghua University, hat die Foxconn-Fabriken einen Monat lang besichtigt - und gibt an, dass die Selbstmordrate vergleichsweise noch unter dem Landesdurchschnitt liege.
Wie geht es jetzt mit Foxconn weiter?
Apple gab bereits zu verstehen, dass man die Maßnahmen von Foxconn aufmerksam verfolgen würde - um dafür Sorge zu tragen, dass die Arbeitsbedingungen "sicher" seien und die Angstellten mit Respekt behandelt würden, wie eine Sprecherin des Unternehmens laut d-news betonte.
Besonders Arbeitsrechtsorganisationen gehen bei den Meldungen der letzten Tage auf die Barrikaden - und rufen zum Boykott des iPhones auf.
(nm)
12-Stunden-Schichten und ja kein Wort zum Kollegen: Die Arbeitsbedingungen bei Foxconn, dem Hersteller des iPhones, sind untragbar - und wahrscheinlich der Grund für die Selbstmordserie in der Fabrik. Das Unternehmen selbst setzt jedoch auf andere Mittel, um dem Gräuel ein Ende zu bereiten.
Seit Jahresbeginn haben sich bereits zehn Mitarbeiter das Leben genommen.
Um dem ein Ende zu setzen, greift das Unternehmen Foxconn, das mitunter für Apple, Hewlett Packard oder Dell produziert, zu drastischen Maßnahmen.
Wie d-news berichtet, mussten sich die Angestellten jetzt schriftlich verpflichten, keinen Selbstmord zu begehen. Doch damit nicht genug: Das Werk in der Sonderwirtschaftszone Shenzhen, wo allein 300.000 Menschen arbeiten, wurde nun mit Netzen behängt, um die Mitarbeiter daran zu hindern, sich aus den Fenstern zu stürzen - wie es zuletzt ein 19 Jahre junger Angestellter getan hatte.
Kürzlich erschien in der Zeitung "Southern Metropolis Daily" das Foto eines entsprechenden Briefes, den die Angestellten von ihrem Arbeitgeber erhalten hatten. Mit einer Unterschrift müssen die Mitarbeiter folgendes Versprechen leisten: "Ich verspreche, mich oder andere niemals in einer extremen Form zu verletzen." Darüber hinaus müssen sie Foxconn gestatten, sich im Falle einer "anormalen geistigen oder körperlichen Verfassung zum eigenen Schutz und dem anderer" in eine psychiatrische Klinik schicken zu lassen.
"Es ist uns nicht erlaubt, miteinander zu sprechen!"
In der South China Morning Post - einer in Shenzhen erscheinenden Zeitung, die der staatlichen Zensur in China nicht allzu sehr unterworfen ist - fand eine Mitarbeiterin den Mut, über die Arbeitsbedingungen bei Foxconn zu sprechen.
In der Fabrik würde man die 21 Jahre junge Frau dazu drängen, von 8 Uhr am Morgen bis 20 Uhr am Abend zu arbeiten - und nicht nur das: "Über 12 Stunden ist es uns nicht erlaubt, miteinander zu sprechen, sonst wirst du vom Vorarbeiter getadelt. Sie gewähren uns nur 30 Minuten für das Mittagessen und wir dürfen nicht länger als zehn Minuten zur Toilette gehen." Wer sich mit diesen Regeln nicht arrangieren kann, bekommt Probleme. "Du musst damit rechnen, täglich immer wieder namentlich herausgegriffen und beschämt zu werden, ohne jeden Respekt, falls du nicht all ihre Bestimmungen strikt einhalten kannst."
Eine weitere Mitarbeiterin muss dem Hersteller trotz alledem etwas zugute kommen lassen: Die Auszahlung von läppischen 240 EUR im Monat erfolge stets pünktlich, und auch Mahlzeiten sowie Übernachtungsmöglichkeiten seien gegeben. Doch laut golem.de gesteht sie sich ein: "Mein Leben ist dennoch leer und ich arbeite wie eine Maschine."
Hierzulande undenkbar - dort ein Hauptgewinn
Europa schüttelt den Kopf. Wenn doch die Arbeitsbedingungen derart unzumutbar sind - wie kann sich die Fabrik noch halten?
Wie d-news berichtet, kennen Anwärter auf einen Arbeitsplatz bei Foxconn die Antwort auf diese Frage: Die Zustände in anderen Fabriken seien weitaus härter, weshalb sich tausende Menschen um einen Job bei Foxconn bemühen würden.
Auch die Suizidrate des Unternehmens, die hierzulande lediglich Ungläubigkeit hervorruft, ist in China keinesfalls ein Grund zur Sorge. Fan Fumin, ein Psychologe an der Tsinghua University, hat die Foxconn-Fabriken einen Monat lang besichtigt - und gibt an, dass die Selbstmordrate vergleichsweise noch unter dem Landesdurchschnitt liege.
Wie geht es jetzt mit Foxconn weiter?
Apple gab bereits zu verstehen, dass man die Maßnahmen von Foxconn aufmerksam verfolgen würde - um dafür Sorge zu tragen, dass die Arbeitsbedingungen "sicher" seien und die Angstellten mit Respekt behandelt würden, wie eine Sprecherin des Unternehmens laut d-news betonte.
Besonders Arbeitsrechtsorganisationen gehen bei den Meldungen der letzten Tage auf die Barrikaden - und rufen zum Boykott des iPhones auf.
(nm)

27.05.2010 16:37
Gast
Als ob Apple etwas an dem Leben der Mitarbeiter liegen würde - die können es nur nicht auf sich sitzen lassen, dass ihre "Trendsetter"-Geräte für den coolen Chekka von nebenan durch arme, verzweifelte Chinesen produziert werden.
Warum in die Ferne schweifen: so manche Rostocker Callcenter arbeiten mit ähnlichen Methoden 
"MV, Land der deutschsprechenden Polen"..sag ich nur!

"MV, Land der deutschsprechenden Polen"..sag ich nur!
ein freund von mir arbeitet in einem gorumeerestaurant als ausgelernter koch. nen knapper tausender im monat netto, bei 70-75 stunden die woche (6tage arbeit). der freie tag ist wenn dann in der woche. und das dickste: überstunden kann er weder abbummeln noch auszahlen lassen - solche arbeitsverträge gibt es in diesem land!
hauptsache arbeit
hauptsache arbeit
tja dazu fällt einem nichts mehr zu ein außer wie ronny deluxe schonj schrieb interessieren die sich ein scheiß für die kleinen arbeiter da hauptsache der mist wird produziert und der umsatz stimmt



27.05.2010 20:25
Gast
@vali, da ist dein Freund ja noch gut dran! ich mache gerad praktikum in ner firma die damit angibt alleinerziehende Mütter arbeit zu geben.und die sind täglich 9 Stunden unterwegs um für sechs stunden bezahlt zu kriegen.wer das schafft bekommt 600 euro netto Gehalt!!Also auch bei uns ist der Arbeitsmarkt nur Ausbeute!Warum wehrt sich niemand dagegen????
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