Amazon nimmt Verlage in Würgegriff

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© sevenke
26.10.2011

Amazon will nun auch in den Gewässern fischen, die bisher weitgehend klassischen Verlagen vorbehalten waren. Ob dieser neue Konkurrenzkampf dem Buchmarkt Flügel verleiht und am Ende Lesern, Autoren oder keinen von beiden nutzen wird, bleibt abzuwarten.

Amazon wird diesen Herbst 122 Bücher verlegen und zwar sowohl in elektronischer als auch in gedruckter Form. Damit tritt der Internetgigant endgültig in direkte Konkurrenz mit Buchverlegern, wie die New York Times berichtet. Auch Agenten und Kritiker geraten unter Legitimationsdruck. "Für große international tätige Verlage stellt Amazon mit seiner enormen händlerseitigen Marktmacht eine große Konkurrenz dar. Die Bedrohung für kleinere nationale Verlage lässt sich noch nicht abschätzen. Die haben im Moment größere Probleme", sagt Dani Landolf vom Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verband gegenüber pressetext.

Bekannte Namen

Amazon beschränkt sich künftig nicht mehr auf unbekannte Autoren. Der Bücherhändler hat schon einige namhafte Schriftsteller für sein neues Programm rekrutieren können. Für die Memoiren der Schauspielerin Penny Marshall, deren Veröffentlichung vergangene Woche angekündigt wurde, hat Amazon angeblich 800.000 Dollar bezahlt. "Anscheinend konzentriert sich Amazon auf wenige, international bekannte Star-Autoren", so Landolf. Einige Verlage beschweren sich, dass das Online-Versandhaus aggressiv um ihre Klienten wirbt. "Die Verlage sind entsetzt und wissen nicht, was sie tun sollen", sagt Dennis Loy Johnson, Mitarbeiter eines New Yorker Verlags.

Zu wie vielen Büchern Amazon die Rechte hat, gibt der Internetverlag nicht bekannt, genauso wenig wie die Zahl der Mitarbeiter in der Verlagssparte. Die Weltuntergangsstimmung bei den Verlegern hält man bei Amazon für übertrieben. "Der Prozess des Verlegens braucht heute nur noch zwei Personen: Den Autor und den Leser. Jeder, der zwischen diesen steht, ist in Gefahr, hat aber auch große Chancen", sagt Amazon-Manager Russek Grandinetti. Amazon hat gegenüber den traditionellen Verlagen einen enormen Kostenvorteil: Der Internet-Händler zahlt keine Vorschüsse an Autoren.

Einfache Veröffentlichung

Mit seiner Eigenverlagsplattform und der Vorstellung des Kindle Fire hält Amazon die Verlagsbranche schon länger auf Trab. Jetzt geht es für die Verlage aber ans Eingemachte. Amazon bietet Autoren unkomplizierte Geschäftsmöglichkeiten. Über den genauen Inhalt der Verträge mit dem Buchhändler müssen die Autoren allerdings Stillschweigen bewahren. Verhandeln will Amazon mit den Schriftstellern persönlich. Agenten sind somit keine mehr im Spiel. Alle Autoren erhalten vom Online-Händler Zugriff auf Nielsen-Verkaufsstatistiken, die bisher den Verlagen vorbehalten waren.

Der Verlag Amazon konnte schon den ein oder anderen Erfolg feiern. "Der Einstieg ins professionelle Verlagswesen ist ein Zeichen dafür, dass die kuratorische Funktion von Verlagen einiges Wert sein muss, sonst wäre Amazon beim Eigenverlagsmodell geblieben", sagt Landolf.

(pte/pb)

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