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Jörg Olbrich: Das Erbe des Antipatros
07.03.2010

Auf einen Sprung in die Geschichte: Jörg Olbrich hat sich mit seinem Debütroman an einen heiklen Spagat gewagt: Mit "Das Erbe des Antipatros" versucht er den lehrreichen Roman.

Nun ist ja bekannt, dass es für viele Leser durchaus zum Lesevergnügen beiträgt, wenn ein Buch auch einen gewissen Lerneffekt beinhaltet. Jörg Olbrich geht aber noch einen Schritt weiter. In seinem Roman wird nicht nur nebenher gelernt, die gesamte Handlung basiert auf dem Prinzip der Wissensvermittlung.

Ein Protagonist mit Lehrauftrag

Die Hauptfigur Ralf, ein eher desinteressierter Schüler, ist vom Ausflug zur Akropolis ziemlich angeödet. Ausgerechnet er findet sich plötzlich beim Bau der Pyramiden im antiken Ägypten wieder und erfährt erst, als er als vermeintlicher Attentäter im Kerker landet, dass er vom griechischen Dichter Antipatros für eine abenteuerliche Mission ausgewählt wurde: Er soll die Sieben Weltwunder bereisen, um die Erinnerung an sie in seiner Zeit wachzuhalten.

Eine Mission, die offenbar auch den Autor antreibt, indem er den Leser mit einer spannenden Romanhandlung animieren will, Ralf zu den historischen Stätten zu begleiten.

Sprachliche Stolpersteine

Leider legt ihm das Verlagslektorat auf dieser Reise erste Steine in den Weg. Zu oft stolpert man über Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehler und hier und da haben sich auch sonstige Grammatikfehler eingeschlichen. Auch blieb vor der Veröffentlichung offenbar wenig Zeit für eine stilistische Überarbeitung, denn ob man sich mitten ins Schlachtgetümmel wirft oder eine romantische Liebeszene beobachtet, sprachlich ändert das nichts.

Wie viele dieser Stolperfallen man überhaupt miterlebt, hängt ganz entscheidend davon ab, wie sehr man sich durch den Roman angesprochen fühlt, ob man also der Zielgruppe angehört. Die ist schwer zu ermitteln.

All-Age-Roman?

Zunächst dauert es eine Weile, bis man sich darüber klar wird, dass der Protagonist zwar Schüler ist, aber schon kurz vor dem Mannesalter stehen soll. Obwohl der Erzählduktus es manchmal vermuten lässt, ist es also wohl eher kein Kinderbuch. Auch die Länge und inhaltliche Kriterien lassen das vermuten.

Jugendliche dürften sich in der Hauptfigur dafür allenfalls am Anfang einigermaßen wiedererkennen. Sobald Ralf seine überraschende Reise in die Vergangenheit antritt, entfernt er sich auch aus deren Problemwelt. Selbst die Liebesgeschichte mit der wunderschönen Griechin Mara, die sich fortan durch den gesamten Roman zieht, ist vom Liebesalltag heutiger Jugendlicher weit entfernt.

Ein Buch für Erwachsene also, das sich relativ flüssig lesen lässt, ohne das Nervenkostüm allzu sehr zu belasten oder den Leser in sonst einer Weise über Gebühr zu fordern, und das dabei einen kleinen Einblick in die Antike vermittelt.

Eilige Reise durch die Antike

Und da zeigt sich dann, welche Schwierigkeiten das Buch zu überwinden hat. Über den manchmal etwas zu angestrengten Versuch, der Lehrreise Spannung und Leben einzuhauchen, bleibt der Einblick in die Historie oft ein oberflächlicher. Wenig erfährt man über den Alltag der Menschen und die Beschreibungen der Weltwunder wirken kaum lebendiger als in einem Sachbuch oder bei Wikipedia.

Zu sehr klebt der Text an den Befindlichkeiten der Hauptfigur, der es wiederum an Profil und einem allzeit präsenten Hauptkonflikt fehlt, um den Leser wirklich mit sich zu reißen.

Ein Buch also, ein bisschen wie ein historisches Reisetagebuch, dem der Spagat zwischen spannender Romanhandlung und Wissensvermittlung nicht vollständig gelingen mag.

(pb)



Jörg Olbrich
Das Erbe des Antipatros

Taschenbuch
SCRATCH Verlag
ISBN: 978-3-940928-04-7

Verlagstext:

Während einer ganz normalen Klassenfahrt nach Athen passiert es. Der Abiturient Ralf hat einen Blackout, und als er wieder zu sich kommt, traut er seinen Augen nicht: Vor ihm erhebt sich das, was wir heute als die Pyramiden von Giseh kennen.

Doch wie kann das sein? Warum sperrt man ihn ins Gefängnis und bezichtigt ihn der Sabotage? Er hat doch nichts getan, war bis vor Kurzem noch nicht einmal hier. Und was hat dieser Antipatros mit all dem zu tun? Wenn er überleben und in seine Zeit zurückkehren will, muss Ralf der Sache auf den Grund gehen und herausfinden, was gespielt wird.

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1
Kommentar insgesamt

Sabrina Neumann
25.07.2010 17:44
reg. Mitglied
Das was im Verlagstext zu lesen ist lässt zu wünschen übrig, dann kann man sich auch getrost vor sein Geschichtsbuch setzten und so lernen. Ich lesen zu weilen Christin Jaqc z.B. Die Ramses- oder die Osirisreihe und daraus lernt man wesentlich mehr das ist mein Meinung. Wenn ich mir ein Buch Kaufen will, lese ich mir zu erst immer den Verlagstext durch und wenn dieser mich nicht anspricht dann lass ich das Buch Liegen. Und dieses buch würde ich auf jeden fall liegen lassen!!!!!!!!!!!
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